AFRIKA

Herzensprojekte

HERZENSPROJEKTE
Wie sich mein Leben durch das Reisen veränderte!

Ich erkannte schon sehr früh, dass die beruflichen Wege die ich ab meinem 15 Lebensjahr gegangen bin, eher dem Zweck dienten ´etwas zu tun´ bzw ´Geld´ zu verdienen.

Immer wollte ich schon mal sehen, wie es in Afrika abseits der Touristengebieten ist und so schrieb ich ihn an und informierte mich über dieses Projekt. Ich traf mich wenige Tage später mit der Obfrau und sie erzählte mir über den Verein GoFishnet, der eine Schule und viele weitere Projekte in Kenia unterstützt. Es fühlte sich gut an und wir verstanden uns auf Anhieb.

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10 Tage später…

… und 4 Impfungen reicher, saß ich im Flieger Richtung Kisumu, einer Stadt am Lake Victoria See, dem größten See der Welt. Dort holte mich ein roter, kleiner Flitzer ab, mit dem wir dann immer weiter aus der Stadt raus fuhren. Das Ziel war Ahero, ein kleiner Ort 45 Minuten außerhalb von Kisumi, wo die Kühe auf der Straße liefen, Verkehrsordnungen nur Richtlinien waren und die meisten Häuser aus Wellblech gebaut waren.

‚WELCOME PARTY‘

Wie besonders das für viele Menschen dort ist, durfte ich die weiteren Tage am eigenen Laibe erfahren. Und wie das in Form einer ´Welcome Party´ aussieht, seht ihr in diesem Video

SO KÜNDIGTE ICH MEINEN JOB…

WIE ALLES BEGANN…

Ich erkannte schon sehr früh, dass die beruflichen Wege die ich ab meinem 15 Lebensjahr gegangen war, eher dem Zweck dienten ´etwas zu tun´ bzw ´Geld´ zu verdienen.

So begann meine Karriere als Werkzeugbautechniker-Lehrling, wo ich eine weniger schöne Lehrzeit hatte! Es wiederholte sich irgendwie meine Schulzeit, wo ich eine Woche gemocht wurde und eine Woche später in den Augen der anderen alles falsch machte, ohne mich verändert zu haben. Automatisch versuchte ich mich anzupassen und das zu tun, was in den Augen der anderen richtig war. (Da kam das Prinzip der Zugehörigkeit wieder durch).

Nach meinem Lehrabschluß kündigte ich meinen Job als Werkezugbautechniker, ohne wirklich zu wissen was ich machte. Wie es im Leben so ist, bekam ich per Zufall einen Job im Außendienst bei einer Versicherung.

Das war eine der spannendsten und lehrreichsten Zeiten in meinem Leben. Das Produkt an sich, lassen wir mal beiseite. Es kann eine sehr wichtige Absicherung sein, aber am Ende sind es die Ängste der Menschen, die so ein Produkt verkaufen lassen. Abgesehen davon durfte ich viele Seminare besuchen und lernte dabei viel über das Verhalten und Denkweisen der Menschen.

Denn bevor ich abreiste, war einer der Lehrerinnen schwanger und stand kurz vor der Geburt und sie fragte mich nach dem Namen meiner Mama, denn sie wollte ihr Kind, wenn es ein Mädchen würde, so wie meine Mutter nennen. Das war für mich schon so berührend, dass ich fast in Tränen ausbrach.

3 Monate später bekam ich ein Foto von ihr, wo sie ein Kind in den Armen hielt und mir schrieb, dass es ein Junge geworden ist und sie ihn ´Marco Ochieng´ nannte.

DIE ALLER WICHTIGSTE EIGENSCHAFT…

Die allerwichtigste Eigenschaft die ich von dort mitnahm, ist das ZUHÖREN. Denn alleine dadurch, lösen sich viele Probleme beim Gegenüber, ohne oft eine Antwort zu geben. UND ich bemerkte, wie viel mir die zeitliche Flexibilität wert ist, selbst zu entscheiden, wann ich was mache!

Nach den 5 Jahren bekam ich ein Angebot als Projektleiter für Photovoltaikanlagen. Nachhaltigkeit liegt mir am Herzen und den Schritt zu einer Führungsposition wollte ich unbedingt wagen. Naja, am Ende war das erste Jahr super spannend, ich habe viele neue Sachen gelernt und weitergegeben, aber es stellte sich raus, dass die Firma sehr chaotisch war. Und ich war froh, dass ich mich von dem ganzen lösen konnte. Und wieder mal zeigte mir das Leben, dass sich nach solchen Entscheidungen neue Wege öffnen. So bekam ich in derselben Position ein Angebot bei einer Firma in meinem Heimatort. Der Drang vom Reisen war da schon so stark, dass ich mit der Firma ein Abkommen traf, dass ich 20h angestellt war, aber 40h arbeitete, um im April 2021 dafür 3 Monate bezahlt frei zu bekommen.

DAS WAR DER START MEINER REISE ZU MIR SELBST…

Ursprünglich wollte ich mit einem alten Bus von Österreich nach Portugal fahren, jemanden Unbekannten mitnehmen und schauen was passiert. Jeder weiß, dass 2021 reisen aufgrund vieler Einschränkungen nicht so einfach war, aber ich wollte mich dadurch nicht abhalten lassen, meinen Traum zu verwirklichen. So änderte sich der Plan, als ich einen Post auf Social Media sah, wo ein Bekannter in Afrika bei einem Sozialprojekt war.

Immer wollte ich schon mal sehen, wie es in Afrika abseits der Touristengebiete ist und so schrieb ich ihn an und informierte mich über dieses Projekt. Ich traf mich wenige Tage später mit der Obfrau und sie erzählte mir über den Verein GoFishnet, der eine Schule und viele weitere Projekte in Kenia unterstützt. Es fühlte sich gut an und wir verstanden uns auf Anhieb.

Wir standen vor einem kleinen Tor das von einem Mitarbeiter geöffnet wurde. Auf der Wand stand´Happy Kids School´ – der Ort, an dem das Projekt seinen Ursprung hatte. Ein neues Land, neue Menschen, eine neue Sprache lösten viele ungewohnte Gefühle bei mir aus. Ich war schon viel herumgekommen auf dieser Welt, aber das war ein außergewöhnliches Gefühl. Einige Häuser waren aus Lehm gebaut, mit einem Strohdach, andere mit Ziegel und hatten schon ein ´normales´ Dach, die Stromleitungen hingen ungesichert und quer über den Dächern herum. Mir wurde stolz meine Unterkunft für die nächsten 4 Wochen gezeigt. Ich merkte, dass sie sehr stolz darauf waren. Nachdem sie die große eiserne Türe öffneten, sah ich ein kleines Wohnzimmer mit einer Couch, einem Tisch und einem Sessel. Ein Gecko verschwand schnurstracks hinter dem Vorhang als wir den Raum betraten. Am Ende dieses Zimmer war eine Holztür die das Wohnzimmer vom Schlafzimmer trennte. Dort fand ich ein Bett mit einem Moskitonetz überspannt und ein Holzregal, in dem ich all meine Sachen verstaute. Von dort ging es weiter ins Badezimmer.

Badezimmer war in dieser Hinsicht eine eher unpassende Bezeichnung. Ein Raum, mit einem Waschbecken, einem kleinen Fenster, dunkel, viel Beton und eher furchteinflößend. Weil die Pumpe nicht funktionierte, konnte ich das Waschbecken und die ´Dusche´ nicht benutzen. (Was am Ende trotzdem zu den besten Duschen meines Lebens führte). Hinter dem Badezimmer war die Toilette. Ein Miniraum wo die Öffnung der Schüssel am Boden war und ein Kübel nebenbei stand. Definitiv eine neue Erfahrung. Für einen unbeweglichen Menschen wie mich auch eine gewisse Herausforderung!

Nach dem Einzug half ich in der Küche beim Zubereiten des Abendessens. Dort durfte ich gleich erfahren, wie schnell sich das Wetter verändern kann. Kurz zuvor hatte es noch gefühlt 35 Grad und Sonnenschein, 30 Minuten später flog uns fast das Dach über dem Kopf weg. Die Küche war ebenso aus Wellblech zusammengebaut, unter dem Dach ein Spalt, wo der Regen auf manchen Seiten hereinkam. Der Strom viel aus und ich habe den Reis mit meiner Handytaschenlampe sortiert und nach schmutzigen Teilen gesucht.

Gekocht wurde auf einer offenen Feuerstelle, geschnipselt und zubereitet auf einem kleinen Tisch. Sie haben als Zeichen der Wertschätzung groß aufgekocht. Es gab Hühnchen, Reis, Ugalli (traditionelles Brot, nur aus Mehl und Wasser) und Gemüse. Als wir mit dem Kochen fertig waren, wollten sie mir mein Essen in meine Unterkunft bringen, damit ich dort alleine essen konnte. Ich meinte aber, dass wir doch zusammen essen werden – oder? Diese Worte haben ein großes Überraschungsgesicht ausgelöst. Aber für mich war das irgendwie selbstverständlich, dass wir gemeinsam essen. Kurz darauf, haben wir in meinem kleine Wohnzimmer mehrere Tische und Sesseln aufgestellt und gefühlt zu 20 darin gegessen.

Ein Moment wird mir ewig in Erinnerung bleiben, als ich Fred (einem jungen Mann) mein Hühnchen anbot, weil ich nicht mehr konnte und er so erstaunt war, dass dies gerade passierte. Es stellte sich heraus, dass ich der erste ´weiße´ Mensch war, den er in seinem Leben sah.

EINE UNBESCHREIBLICHE LEBENSFREUDE….

Die weiteren Tage waren vollgepackt mit Terminen und Projekten die sie mir unbedingt zeigen wollten.

Am nächsten Morgen ging’s ab zur Schule der Happy Kids. Und Happy Kids ist wohl eine der passendsten Bezeichnungen, die man für diese Schule finden konnte. Der Empfang war herzlich, es wurde gesungen, getanzt und stolz gezeigt, was sie machen und wie die Schule aufgebaut ist. Um es einfach zu Beschreiben, war es eine Gebäude, bei dem die Stützen aus Holzstämmen waren und die Wände und Dach aus Wellblech vor Wind und Regen, so gut es ging, schützten.

Ursprünglich hatte die Schule mit 9 Kindern begonnen und es wurde in der Base, wo ich übernachtete, unterrichtet. Die Anzahl der Kinder wuchs rasch und nach einer Weile war das alte Gebäude zu klein und diese Schule wurde provisorisch gebaut. Mittlerweile sind in dieser Schule mehr als 150 Kinder!

Derzeit wird ein neues Gebäude aus selbst erzeugten Ziegeln gebaut. Diese Ziegelmanufaktur war in der Planung, als ich dort war. Nach einem Treffen mit dem ´Chief´ dieses Gebietes und einigen Verhandlungen, haben wir für diese Manufaktur ein Grundstück neben der Schule dazu gekauft. Heute werden schon die ersten Ziegel produziert,die erste Klasse steht bereits.

WAS MACHT DIESE SCHULE SO BESONDERS ?

Viele Familien in Ahero können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken und so würden diese Kinder womöglich zuhause bleiben und im schlimmsten Fall selbstgebrannten Alkohol auf der Straße verkaufen.
Aber durch die Unterstützung dieses österreichischen Vereines können viele Kinder die Schule kostenfrei besuchen, bekommen eine Uniform, Schulunterlagen, Essen und viele weitere Unterstützungen. Für mich war es einer der schönsten Momente zu sehen, dass die gesammelten Gelder, sinnvoll und zu 99% bei den Bedürftigen ankommen!

Neben der Schule werden auch Projekte gefördert wo sich Witwen zusammenschließen und getrocknetes Gemüse und Fische auf Märkten verkaufen, anderen werden Samen und Geräte zur Verfügung gestellt um eine Landwirtschaft zu betreiben, es gibt die Big 5, die alle schwere Alkoholiker waren und die gemeinsam eine Kirche aufbauten und dort jetzt anderen Menschen helfen. Ebenso gibt es Gruppen, die Nutztiere bekommen und durch die Zucht ein Geschäft dadurch aufbauen konnten. Es werden viele nachhaltige Projekte unterstützt, die es den Leuten dort ermöglicht, auf eigenen Beinen zu stehen.

WAS FÜR EIN SCHÖNER MOMENT…

Das beschreibt das Projekt GoFishnet sehr gut, denn alle Menschen denen in Kenia geholfen wird, beschenken jeden mit bedingungsloser Dankbarkeit. Sie helfen wo sie helfen können!

Es war anfangs sehr ungewöhnlich, immer und überall das Wort ´Mzungu´ zu hören, das für ´Weißer, Hellhäutiger´ steht. Denn es gibt einem das Gefühl anders zu sein. Und wenn man sich selbst nicht als anders sieht, bringt einem das definitiv zum Nachdenken. Aber es war spürbar, dass es in deren Augen Hoffnung widerspiegelte! Sie hatten das Gefühl, es ist jemand da, der ihnen helfen möchte. Und dieser Gedanke macht mich sehr stolz und glücklich. Es geht nicht darum, jemanden mit Geld zu versorgen, sondern mit Perspektiven langfristig zu unterstützen. Der Verein GoFishnet legt großen Wert darauf und setzt das seit mehreren Jahren ausgezeichnet um!

Ich bin stolz Botschafter für euch zu sein und erzähle weiterhin gerne in den Schulen, Social Media und im Alltag über all das was ihr schafft!

EUER MARCO